In Vietlübbe bei Lübz lebte vor vielen Jahren ein Bauer, dessen Frau im ganzen Dorf als Hexe galt. Die beiden hatten eine einzige Tochter, die angeblich von ihrer Mutter das Zaubern und Hexen gelernt hatte. Eine jener düsteren Erzählungen, die sich wie Mehltau über das Ansehen einer Familie legen konnten, tief verwurzelt im Alten Glauben und den alten Ängsten der Dorfgemeinschaft.
Als das Mädchen erwachsen war, wurde sie mit einem Bauernsohn verlobt. Doch das junge Glück stand unter keinem guten Stern.
Die rätselhaften Verluste: Die Mutter des Bräutigams klagte immer wieder über seltsame Vorkommnisse.
Der unheimliche Fraß: Käse und Speck wurden auf unerklärliche Weise angeschnitten oder gestohlen, als hätten Ratten oder Mäuse gierig daran genagt.
🐈Die nächtliche Wache in der Dunkelheit
Eines Nachts hielten die Bräutigmutter und der Großknecht die Ungewissheit nicht mehr aus und legten sich im Schutz der Schatten auf die Lauer. Für den vermeintlichen Dieb hatten sie grausame Peitschen vorbereitet, die mit großen, scharfen Nägeln versehen waren.
Plötzlich zerriss eine Bewegung die Stille: Sie sahen eine schwarze Katze lautlos hereinschleichen. Von Wut und Angst getrieben, schlugen sie heftig und unbarmherzig auf das wehrlose Tier ein, bis es schwer blutete.
🩸 Die Enthüllung hinter dem Herd
Doch was sich im selben Augenblick vor ihren Augen abspielte, ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren:
Die Gestaltwandlung: Genau in dem Moment, als die Schläge fielen, trat die Braut hinter dem wärmenden Feuerherd hervor.
Das unbestreitbare Siegel: Ihre Stirn war von frischem, rinnendem Blut gezeichnet – exakt an den Stellen, an denen das Tier getroffen worden war.
Der unheimliche Verdacht war zur Gewissheit geworden. Man jagte das unglückliche Mädchen augenblicklich als Hexe aus dem Haus und verstieß sie für immer aus der Gemeinschaft.
Zur ewigen Erinnerung an diesen dramatischen Vorfall und als Mahnung an die verborgenen Mächte der Gestaltwandlung wurde der nahe gelegene Hügel fortan Hexenberg genannt. Auch das später ganz von der Landkarte verschwundene Dorf erhielt im Volksmund den Namen Hexen-Wangelin. Ein stummes Zeugnis einer vergangenen Zeit, das bis heute in unseren mecklenburgischen Fluren nachhallt.
