⚔️ Der Blutwidderdienst: Hans Stainer & das blutige Erbe von Salzburg
Es gibt Geschichten in der Ahnenforschung, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Viele meiner Vorfahren stammen aus dem Salzburger Land, einer Region, die für ihre atemberaubende Schönheit bekannt ist – aber auch für die gnadenlose Verfolgung derer, die dem „falschen“ Glauben anhingen.
Hunderte Jahre lang kämpften meine Vorfahren dort für ihren evangelischen Glauben. Doch das Schicksal meines 11 x Urgroßvaters Hans Stainer sticht besonders hervor. Seine Hinrichtung im Jahr 1566 zog eine Strafe nach sich, die so ungewöhnlich war, dass sie noch Jahrhunderte später als „Blutwidderdienst“ bekannt blieb.
🌳 Die Wurzeln im Salzburger Land
Die Geschichte des Blutwidderdienstes ist eng mit meiner eigenen Linie verwoben. Hier ist der Pfad, der von den alten Höfen im Pongau bis zu mir führt – eine Linie, die sich über Jahrhunderte hielt:
🏛️ Henricus Stainer (1390–1460) Hof Stain, Bischofshofen, St. Johann im Pongau
⏳ Jacobus Stainer (1425–1498)
⏳ Andreas Stainer (1455–1525)
⏳ Andreas Stainer (1490–?)
🌿 Hans Stainer (1520–1566) ♾️ Catharina Plattner
Hier teilt sich der Pfad meiner Ahnen. Hans und Catharina schenkten drei Söhnen das Leben, von denen zwei meine direkten Vorfahren wurden:
Der erste Zweig:
🍂 Valentin Stainer (1550–1626) ♾️ Barbara Pauss
🍂 Valentin Stainer (1589–1661) ♾️ Christina Palfner
🍂 Martin Stainer (1622–?) ♾️ Magdalena Schwaighöfer
✨ Christine Stainer (1679–?) ♾️ Joannis Lottermoser
Der zweite Zweig:
🍂 Bärtl Stainer (1555–?) ♾️ N.N.
🍂 Hans Stainer (1590–1665) ♾️ Anna Schartner
✨ Margreth Stainer (1622–1693) ♾️ David Dechel
📜 Tinte & Blut: Ein literarisches Denkmal
Es ist ein seltsames, fast ehrfürchtiges Gefühl, wenn das tragische Schicksal des eigenen Blutes Jahrhunderte später zur Literatur wird. Mein 11x Urgroßvater Hans Stainer, der sein Leben 1566 durch das Richtschwert verlor, ist nicht im Nebel der Geschichte verschwunden.
Seine Geschichte war so prägend, dass sie noch Generationen später erzählt wurde – bis sie schließlich in Romanform festgehalten wurde:
Der Autor: Franz W. Scherer
Das Werk: „Der Stainer am Stain“
Erschienen: 1913
Der Kern: Ein historischer Roman, der das Leben und das bittere Ende meines Vorfahren in Salzburg beleuchtet.
Auch wenn ein Roman immer die Freiheit der Kunst in sich trägt, so ist es doch ein Beweis für die Kraft der Überlieferung. Sein Name wurde nicht getilgt. Er steht schwarz auf weiß in den Regalen der Zeit – und fließt weiter in meinen Adern.
🔥 Hans Stainer: Bauer & Rädelsführer
Mein 11 x Urgroßvater Hans Stainer wurde um 1520 auf dem Hof Stain in Bischofshofen (St. Johann im Pongau) geboren. Er war ein Bergbauer, tief verwurzelt in der Erde, die seine Familie schon seit mindestens 1420 bewirtschaftete. Mit seiner Frau Catharina und den drei Söhnen Valentin, Sebastian und Bartholomäus führte er ein ansehnliches Leben.
Doch es war eine Zeit des Umbruchs. Der evangelische Glaube breitete sich aus, und das katholische Salzburg reagierte mit Härte. Im Jahr 1565 wagte Hans den Aufstand. Zusammen mit seinem Bekannten Wilhelm Egger rief er die Bauern zum Widerstand gegen die Kommissare auf.
Die Zeichen standen auf Sturm:
- Sie verrammelten die Pässe und Wege.
- Sie gaben Warnschüsse ab.
- Sie läuteten die Wetterglocken, um das ganze Tal zu alarmieren.
Doch der Aufstand scheiterte. Zu wenige schlossen sich an, die Übermacht war zu groß. Hans und Wilhelm mussten fliehen. Während Wilhelm auf einer Alm gefasst wurde, floh mein Ahne Hans Stainer bis nach Wildenstein im Salzkammergut. Doch auch er wurde verraten.
🩸 Die Hinrichtung & das Urteil
Am 5. Juli 1566 klickten die Fesseln. Hans Stainer wurde nach Salzburg gebracht und noch im selben Monat durch das Schwert hingerichtet – enthauptet. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass meine Urgroßmutter Catharina und ihre Kinder dieses Schauspiel wohl mit ansehen mussten.
Der Hof Stain wurde der Familie weggenommen. Erst 1570 erhielten sie ihn zurück – doch der Preis war hoch. Die Obrigkeit dachte sich eine Strafe aus, die als ewige Mahnung dienen sollte: Den Blutwidderdienst.
🐏 Das Ritual der roten Widder
Was war dieser Dienst? Es war eine jährliche Bußleistung, die auf den Söhnen (und später meinem Vorfahren Valentin, der den Hof übernahm) lastete.
Jedes Jahr mussten sie zwei Widder nach Salzburg treiben. Das Besondere daran: Die Tiere mussten mit blutroten Wolltüchern bedeckt sein.
Diese Farbe war kein Zufall. Das Rot symbolisierte den roten Umhang des Bischofs (oder das vergossene Blut des Aufstands). Es war ein lebendiges Opfer, ein Gang nach Canossa, den die Familie Jahr für Jahr antreten musste. Unglaubliche 245 Jahre lang – bis ins Jahr 1811 – bestand diese Verpflichtung. Erst dann wurde sie beigelegt.
🪨 Stainer: Ein Namens-Erbe aus Fels und Erde
Der Name Stainer (oft auch Steiner geschrieben) ist im bairisch-österreichischen Sprachraum tief verwurzelt. Er ist kein Berufsname (wie Müller oder Schneider), sondern ein klassischer Wohnstättenname.
Hier ist, was der Name uns erzählt:
Der Klang der Heimat: Die Schreibweise mit „ai“ (Stainer statt Steiner) ist typisch für die alte Mundart im süddeutschen und österreichischen Raum. Man sprach das „Ei“ oft breit und weich aus. Es ist der dialektale Fingerabdruck der Region.
Der Ort der Kraft: Der Name bedeutet schlicht: „Der, der am Stein wohnt“.
Das konnte ein markanter Felsbrocken sein, der als Landmarke diente.
Oft wies es auf einen Hof hin, der auf besonders steinigem, kargem Untergrund stand oder an einer felsigen Anhöhe lag.
Vielleicht war es auch ein alter Grenzstein, der das Land markierte.
