Der Pakt des Henneke von Morin: Das schwarze Pferd von Ludorf

Etwa einen Kilometer von Röbel entfernt liegt das alte Rittergut Ludorf. Früher gehörte es dem längst ausgestorbenen Adelsgeschlecht derer von Morin. Einer von ihnen, Ritter Henneke, war in der ganzen Gegend berüchtigt für sein wildes, ausschweifendes Leben. Er feierte rauschende Feste, warf mit Geld um sich und verspielte alles, bis er schließlich so hoch verschuldet war, dass er sein Gut Ludorf verpfänden musste.

🐎 Der unheimliche Handel

Eines Tages tauchte ein fremder Pferdehändler auf dem Hof auf. Niemand kannte ihn, und sein unheimliches Äußeres jagte allen Angst ein. Er ließ sich beim Ritter melden und bot ihm ein pechschwarzes Pferd an: riesig, mit langer, wilder Mähne, einem gewaltigen Körper und einem Blick, der einem durch Mark und Bein ging.

Henneke, ein leidenschaftlicher Reiter und Pferdeliebhaber, war sofort Feuer und Flamme. Er ließ seinen Reitknecht das Tier vorreiten – doch der wurde sofort abgeworfen. Egal, wie oft er es versuchte: Das Pferd ließ niemanden aufsitzen. Wütend peitschte Henneke den Knecht aus und rief den Kutscher und die anderen Stallburschen herbei. Auch die scheiterten kläglich.

⚔️ In drei Teufels Namen

Schließlich stieg Henneke selbst in den Sattel. Er rammte dem Pferd die Sporen so tief in die Flanken, dass das Blut nur so floss, und zwang es mit brutaler Kraft zum Gehorsam. Nach einer Weile hatte er das Tier unter Kontrolle. Zufrieden fragte er den Händler nach dem Preis. Der nannte eine horrende Summe.

Henneke ging Geld holen – aber er hatte nicht genug. Kurzerhand sagte er:

„Ich geb dir noch die Glocken vom eingestürzten Kirchturm dazu.“

Der Händler grinste nur: „Abgemacht – in drei Teufels Namen!“

Die Glocken wurden aus dem Schutt geholt, der Händler nahm sie und verschwand spurlos.

🕯️ Das bittere Ende

Kurz darauf war Henneke endgültig pleite. Er musste Ludorf räumen und zog in ein kleines Häuschen in Röbel. Das schwarze Pferd wollte er unbedingt loswerden – aber niemand traute sich, es zu kaufen. Alle flüsterten: „Das ist kein normales Pferd. Da steckt der Teufel drin.“

  • Das Jahr 1638: Henneke starb in Röbel elend an der Pest – ohne je Reue zu zeigen.

  • Das Begräbnis: Er bekam kein christliches Begräbnis. Sein Leichnam wurde auf einer Schleife von genau diesem schwarzen Pferd zum Friedhof gezogen und dort einfach verscharrt.

  • Das Schicksal des Rosses: Kaum war das Grab zu, raste das Ross wie von Sinnen davon. Ein paar Tage später fand man es tot in einem Brunnen.

So endete Ritter Henneke – und mit ihm das alte Geschlecht der Morin auf Ludorf. Die Überlieferung mahnt bis heute: Wer sein Leben in Saus und Braus führt und sogar das Heilige verkauft, den holt das Schicksal früher oder später ein.