Die Geschichte meiner 3x Urgroßmutter Christina Magdalena Heel

Ihr Leben begann 1826 in Bad Segeberg in Holstein im Schatten der Armut und endete 1896 im Kreise ihrer Familie. Sie hat nie geheiratet, gebar 8 Kinder, wovon 4 sehr früh verstarben. Dazwischen lag ein Leben voller Arbeit, Demütigung und einem Mut, der mir heute noch Respekt abringt. Auch wenn man es doch als normal ansehen kann, weil es damals viele uneheliche Kinder gab, haben die Frauen meistens doch den einen Mann früher oder später geheiratet. Sie nicht, sie blieb ihr Leben lang alleine mit ihren Kindern. Was mich ein wenig irritiert, wie man das Mitte 19. Jahrhundert bewerkstelligt hat.

Das Erbe der Armut

Christina Magdalena wurde in eine Welt geboren, die keine Geschenke verteilte. Ihre Eltern, Hans Hinrich Heel (*1792) und Ida Hedewig Pump (*1793), lebten am untersten Rand der Gesellschaft. Ihr Vater arbeitete als Steinbrücker (Steinsetzer), eine harte Knochenarbeit, doch es reichte nicht. Beide starben später in einem Armenhaus in Traventhal.

Christina Magdalena wurde mit 9 Jahre schon fortgegeben, wobei sie noch 6 Geschwister hatte. Sie kam in die Obhut ihres Onkels Johann Caspar Pump nach Seth (Kreis Segeberg). In dem Volkszahlregister (VZ 1835/Gut Borstel) wurde sie als angenommenes Kind eingetragen. Doch das war sicher keine unbeschwerte Kindheit. In dieser Zeit mussten Kinder für ihr Brot arbeiten, als kleine Mägde im Haus oder auf dem Feld. Da ihr Onkel der Dorfschmied war, wird sie wohl im Haushalt mitgeholfen haben müssen. Fernab von ihrer Familie und das mit 9 Jahren.

Der Fleck der Unehre

Christina Magdalena arbeitete früh als Dienstmagd. Sie war abhängig, rechtlos und schutzlos. Schon früh geschah das, was das Leben einer Frau damals zerstören konnte: Sie wurde schwanger, ohne verheiratet zu sein. Sie wurde recht früh schwanger. Bis jetzt, die von mir gefundenen Einträge bezeugen 6 Kinder von drei verschiedenen Männern. Sie hat in der ganzen Zeit 8 uneheliche Kinder geboren. Leider sind noch nicht alle Kirchenbücher von Bad Segeberg auf Archion einsehbar, um genaueres zu schreiben. Aber im Sterberegister von dort konnte ich zwei Kinder von ihr finden, die sie nicht mit Johann Hinrich Dencker gezeugt hat.

  1. Claus Hinrich Hagen (1852-1852 in Bad Segeberg)
  2. Johann Christian Friedrich Lüthje (1854-1855)

Der Eintrag im Kirchenbuch ist gnadenlos: Das Kind, ihre Tochter Anna Catharina Magdalena, sei in Unehre gezeugt worden. Der Vater Johann Hinrich Dencker *1826 war ein Arbeitsmann und verheiratet mit Anna Maria Bölk (*1816 in Niendorf Kreis Segeberg), deren Tochter Sophie hieß und 1853 in Neuengörs geboren wurde.

War es Liebe zwischen Christina Magdalena und Johann Hinrich Dencker, der verheiratete Mann oder sogar Verführung oder doch nur kalte Berechnung, um als Frau einigermaßen versorgt zu sein. Wir werden es leider nie erfahren. Sie bekam mit Johann Hinrich 4 Kinder. Die erstgeborene Tochter Anna Catharina Magdalena *1861 bekam ihr Heimatrecht auf dem Gut Erfrade, wie unten im Taufeintrag eingesehen werden kann (linke Seite).

Christina Magdalena & Johann Hinrich Denckers gemeinsame Kinder:

  1. Anna Catharina Magdalena (1861-1946 in Bad Segeberg) ♾️ Johann Hinrich Kröger
  2. Elise Catharina Dorothea (1864-? in Bad Segeberg) ♾️ Johann Otto Friedrich Soltwedel
  3. Hinrich Friedrich Christian (1866-1868 in Bad Segeberg)
  4. Hinrich Joachim Wilhelm (1869-1870 in Bad Segeberg)

Dass die Kinder den Nachnamen ihres Vaters (Dencker) erhielten, ist ein kleines, aber wichtiges Detail. Ein Eingeständnis der Vaterschaft, das Christina Magdalena  vielleicht erstritten hat. Johann Hinrich Dencker war auch Trauzeuge bei den Hochzeiten seiner unehelichen Töchter.

Allein gegen die Moral

Das Bewundernswerte ist nicht, was ihr widerfuhr, sondern wie sie darauf reagierte. In einer Zeit, in der man in ihr, eine gefallene Frau sah und oft daher ausgestoßen wurden, ging Christina Magdalena ihren eigenen Weg. Sie heiratete nie. Sie zog ihre Töchter alleine groß, als alleinerziehende Dienstmagd im 19. Jahrhundert. Eine Leistung, die wir uns heute kaum vorstellen können. Sie arbeitete hart, um allen das Überleben zu sichern, ohne sich von der Gesellschaft brechen zu lassen.

🕯️ Ein friedlicher Abend

Das Schicksal belohnte ihren Mut am Ende doch. Ihre Tochter Anna ging später eine Ehe ein, bekam viele Kinder und sie vergaß ihre Mutter nicht. Sie holte Christina Magdalena zu sich. So konnte die Frau, die im Armenhaus-Schatten geboren wurde und als Dienstmagd schuftete, ihre letzten Jahre im Kreise der Familie verbringen. Sie starb 1896 friedlich, geborgen bei ihrer Tochter.

Frauen wie Christina Magdalena bekommen keine Denkmäler auf Marktplätzen. Aber sie sind es, die unsere Familien durch die dunkelsten Zeiten getragen haben. Ohne ihre Kraft wäre ich heute nicht hier.

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