Noch lange bevor die Wenden nach Mecklenburg kamen, lebten hier die Hünen – ein riesiges, uraltes Riesenvolk, das längst ausgestorben ist. Von ihnen zeugen nur noch die gewaltigen Hünengräber: riesige Steine und Grabhügel, die beweisen, wie stark und mächtig diese Menschen einmal gewesen sein müssen.
Als dann die „Kleinen“ („de lütten“) – also die normal großen Menschen – ins Land kamen, ging die Herrschaft der Hünen zu Ende. Sie starben nach und nach aus.
🌲 Eine Begegnung im Wald
In dieser Übergangszeit passierte Folgendes: Ein Hünenvater schickte seine junge Tochter los, um die Schweine in den Wald zu treiben. Das Riesenmädchen hatte bis dahin noch nie das Haus der Eltern verlassen. Als es zum ersten Mal die Welt draußen sah, staunte es gewaltig.
Am meisten wunderte es sich über ein winziges Wesen, das ihm zwar wie ein Mensch vorkam, aber viel zu klein war, um wirklich ein Mensch zu sein. Es zog hinter einem winzigen Pflug her, den zwei niedliche kleine Ochsen zogen.
Das Fundstück: Das Mädchen dachte sofort: „Was für ein prächtiges Spielzeug!“
Die Tat: Es fegte den „kleinen Pflüger“ samt Ochsen und Pflug einfach mit der Hand zusammen und steckte alles in seine Schürze.
Die Heimkehr: Freudig sprang es mit großen Sätzen zum Vater zurück, um ihm den tollen Fund zu zeigen.

⚖️ Das schmerzliche Ahnenwissen des Vaters
Der Vater aber schüttelte ernst und traurig den Kopf und sagte:
„Dat sünd uns’ Verdriwer, Kind; vör dei möt wi wiken!“ (Das sind unsere Vertreiber, Kind; vor denen müssen wir weichen!)
Das Mädchen meinte ganz naiv:
„Sal’k denn nich en Pöölken maken und se dor in versöpen?“ (Soll ich nicht ein kleines Tümpelchen machen und sie da ertränken?)
Der Vater ließ das aber nicht zu und erklärte, es würde nichts nützen, denn:
„de Lütten krigen uns doch ünner!“ (die Kleinen kriegen uns doch unter!)
🕯️ Was für die Nachwelt bleibt
Und genau so kam es: Die Hünen verschwanden. Hätten sie nicht die riesigen Gräber gebaut und die mächtigen Steine überall aufgestellt, wüsste heute niemand mehr etwas von ihnen. Es ist eine Überlieferung, die uns mahnt, die Spuren unserer Vorgänger mit Ehrfurcht zu betrachten.
