Westlich vom Dorf Brooke bei Lübz zieht sich ein Höhenzug durch die Landschaft, der reich an verborgenen Quellen ist. Es ist ein Land, das Geschichten atmet – Geschichten von einer Zeit, als noch Wesen von gewaltiger Gestalt die Hügel und Seen formten.
☄️ Der Abdruck der gewaltigen Hand
Auf einer Hufe nahe dem „großen Born“ lag einst ein gewaltiger Stein, so groß, dass er später elf Fuder Baumaterial lieferte. Die Überlieferung weiß zu berichten, dass dieser Koloss das Ergebnis eines antiken Wettstreits war.
Die Riesen aus Daschow und jene aus Kritzow forderten sich im Steinwerfen heraus. Als Ziel hatten sie sich den Turm der Kuppentiner Kirche erkoren.
Die Daschower Riesen verfehlten das Ziel knapp – ihr Stein flog weit über eine halbe Meile über das Dorf hinaus und hinterließ beim Aufprall tief den Abdruck einer riesigen Hand im harten Fels.
Die Kritzower Riesen jedoch trafen den Turm mit solcher Wucht, dass die Kirche bis heute nur einen hölzernen Turm trägt.
🧺 Der Kritzower See & das Schürzenband
Auch die tiefen Wasser und dunklen Berge der Region sind Zeugen dieser Riesenzeit. Der Kritzower See entstand nicht durch Zufall, sondern weil die Riesen sich ein Wasserloch graben wollten. Die Erde schütteten sie achtsam umher, bis ein plötzliches Ereignis die Arbeit stoppte:
Einer Riesenfrau riss mitten in der Arbeit das Schürzenband. In unserem Ahnenwissen galt dies als ein Vorzeichen von großer Bedeutung – ein Signal, innezuhalten. Die Riesen ließen die Schürze voll Erde einfach fallen. Dort, wo die Last zu Boden sank, entstand der „swart Barg“ (schwarze Berg), während das ausgehobene Loch zum Kritzower See wurde.
🕯️ Irrlichter & ewige Ruhe
In der nahegelegenen Blockkoppel, einem stillen Waldstück, finden wir noch heute zwei gewaltige Gräber. Die Überlieferung sagt uns, dass dort die Riesen ihre letzte Ruhestätte fanden.
Die Grabstätten: Stumme Zeugen einer vergangenen Ära.
Die Irrlichter: Manchmal sieht man des Nachts kleine Lichter vom Waldrand herüberziehen. Es heißt, es seien die Seelen der Riesen, die noch immer nicht ganz zur Ruhe gekommen sind. (Wenn du mehr über das Geheimnis dieser leuchtenden Naturgeister und Irrlichter erfahren möchtest, schau dir meinen Beitrag dazu im Celticgarden an.)
Es ist ein schöner Gedanke, dass diese alten Geschichten uns lehren, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen. Hinter jedem See und jedem Hügel könnte das Erbe eines Wesens stecken, das lange vor uns diese Erde formte. Das ist der Kern unseres Brauchtums: Die Welt um uns herum als belebt und beseelt zu begreifen.
